Der Bearded Collie - ein Hütehund?

Morty an den Schafen - ein Erlebnis

 

 

Morty als Hütebeardie?

Nachdem Morty die zwei Schafe am Reitstall gerne ein wenig über den Hof ?gehütet? und auch die Herde, an der wir beim Reiten oft vorbei kommen, zusammen getrieben hat, bis ihn der Zaun zurück hielt, habe ich ihn zu einem Hüteworkshop für Beardies angemeldet. Ich fand den Stil, mit dem er arbeitete, gar nicht so schlecht, bei dem was ich bislang alles über das Hüten gelernt und gesehen habe.

 

Jetzt haben wir allerdings schon vorher die Chance bekommen zu testen, ob Morty wirklich hüten möchte und kann ? nicht dass der Weg zum Workshop umsonst ist! 

 

Erster Schafkontakt

Denise hat uns bei unserem ersten Hüteversuch geleitet. Sie hat mit ihrem Border Collie die Trainingsschafherde in der Mitte der Wiese zusammen getrieben. Und dann waren auch schon wir dran.


 

 

Morty in etwa drei Meter Abstand zur Herde hingelegt und ich einmal um die Herde herum gelaufen. Wir wollten schauen, ob er die Herde auf mich zutreiben würde. Und er tat es! Kaum war ich an meiner Position angekommen, legte Morty los. Zielsicher balancierte er jede meiner Bewegungen aus ? immer wenn ich einen leichten Bogen ging, lief er wieder auf die Position direkt mir gegenüber und trieb die Schafe auf mich zu. Entfernte sich ein Schaf etwas von der Herde, flitzte er sofort hin und trieb es zurück. Wir gingen in Schlangenlinien und Bögen über die Wiese, Morty arbeitete fleißig weiter. Er hat einen guten Abstand zu den Schafen, auch wenn er lernen muss noch etwas mehr Distanz zu halten, wurde nie hektisch und war sich seiner Aufgabe vollkommen bewusst. Nur als plötzlich mehrere Schafe ausbrachen, lief er ihnen erst korrekt hinterher, hat dann aber plötzlich ein einzelnes Schaf abgegrenzt und hielt dieses von der Herde fern. Da die Herde, an der wir arbeiteten, aber Trainingsschafe waren, deren einziges Ziel war sich in der Nähe des Menschen zu ballen, reichte schon eine kleiner Fehler von Morty und das Schaf flitzte schnell zur Herde zurück. Wir wollten ihn erst einmal vollkommen selbständig arbeiten lassen, um zu schauen, was er macht. Nachdem dann kurz drauf mein Knie einen Zusammenstoss mit einem Schaf hatte und ich im ersten Moment schier nicht mehr laufen konnte, brachen wir ab. Ob Morty hüten konnte und wollte ? das hatten wir ja nun gezeigt bekommen!!!

 

Eine Trainingseinheit

Am nächsten Tag hatten wir das Glück, dass noch eine Trainingsstunde bei Christine Fischer (deren Schafe das auch waren) frei war und Morty und ich noch einmal die Chance bekamen an den Schafen diesmal richtig zu arbeiten. Trotz humpelndem Knie konnte ich der Chance nicht widerstehen.

Diesmal haben wir nur einen Teil der Trainingsschafherde genommen – ich glaube 5 Schafe waren es. Christine hat sich erst angeschaut, wie mein Hund mit den Schafen arbeitet, da sie bei unserem Hütetest vorher nicht dabei war. Nachdem Morty genauso souverän wie am Vortag hütete, bekamen wir gleich erste Aufgaben. Ich sollte versuchen immer wenn Morty seine 12 Uhr Position eingenommen hatte, also genau mir gegenüber, die Richtung zu wechseln, so dass er wieder ausbalancieren muss und sobald er sich wieder auf 12 Uhr befand in die andere Richtung zu gehen ? so dass wir in Schlangenlinien über die Wiese gehen würden. Einfacher gesagt als getan. Zeitweise bekamen wir das sehr gut hin. Durch dieses Schlangenlinien laufen musste Morty immer wieder die Distanz zu den Schafen erhöhen und arbeitete damit mit mehr Abstand. War ich von der Reaktion schnell genug, bekamen wir das auch gut hin und es waren immer wieder Phasen dabei, in denen es richtig gut aussah! Oft aber steckte ich auch wieder in den Schafen fest, wenn ich zu langsam reagiert hatte, und musste mich erst wieder befreien, während Morty wohl darauf bedacht war auch ja kein Schaf von mir weg zu lassen, was die Sache nicht vereinfachte! Ich hätte nie gedacht, dass das so schwer sein würde ? aber ich glaube für den Anfang haben wir uns sehr gut geschlagen?

 









 

Wir haben immer wieder kleine Pausen gemacht, in denen ich neue Anweisungen und kurze Erklärungen der entstandenen Situationen von Christine bekam. Die Stimmung war sehr relaxt, ich hatte nie das Gefühl einen Fehler machen zu können, auch wenn ich zum x-ten Male in meiner Schafherde feststeckte :). Es war nicht immer einfach Morty von der Herde weg abzurufen, waren wir aber erst einmal ein paar Schritte weg, legte er sich auf Anweisung brav hin und wartete ruhig ab. Ich war begeistert.

Im nächsten Schritt sollte ich versuchen Morty immer wieder abstoppen zu lassen, wenn er zu nah zur Herde kam, um zwischen mir und den Schafen mehr Abstand zu bekommen, so dass ich ruhiger laufen und wir auch mal über kurze Strecken geradeaus laufen konnten. Versucht haben wir das. Aber es fiel Morty sehr schwer. Er bremste für Sekundenbruchteile ab ? und sobald auch nur ein Schaf mit der Wimper zuckte war er schon wieder unterwegs. Ich hatte den Eindruck immer mit der Entschuldigung ,,Äh, tut mir leid, aber ich kann doch gerade nicht, kannst du mich nicht in 5 Min noch mal nach einem Stopp fragen, es geht doch gerade nicht!??. Er hatte einfach noch nicht die Ruhe und das Verständnis dafür, dass es eben schon geht, aber Christine meinte, dass das am Anfang sehr häufig so sei, bis die Hunde merken, dass ein Abstoppen nur ein sofort wieder weiter arbeiten dürfen zur Folge hat. Was mir gut gefiel, dass wir wirklich nur mit einem Stehen bleiben gearbeitet haben, da ein Beardie kein Hund ist, der aus der liegenden Position arbeitet, wie es ein Border tut und wir das auch gar nicht erst erzwingen wollten.


Wir haben es dann noch mit nur 3 Schafen probiert, so dass ich leichter den Überblick halten und nicht so schnell zwischen den Schafen stecken konnte. Hier hatte Morty aber scher zu kämpfen, da das die drei anhänglichsten Schafe waren und er immer wieder merkte, dass weniger er sie lenkte als ich. Irgendwie haben wir es dann aber doch hinbekommen ein paar ganz kurze Strecken gerade aus zu gehen und über rechtzeitige Kurven noch einmal eine sehr schöne Hütesequenz zu bekommen, so dass wir damit abgeschlossen haben.

 

Ein fantastisches Gefühl
Es ist unglaublich zu sehen, dass ein 8jähriger Hund, der sehr gut gehorcht und arg unter meiner Fittiche steht plötzlich loslegt und etwas tut, was ihm noch nie jemand zuvor gesagt oder gezeigt hat, ohne dass man ihn dazu auffordern muss. Man steht bei seinen Schafen und kann nur mit offenem Mund staunend zuschauen, und hat auf das Geschehen kaum Einfluss. Faszinierend! Auf der anderen Seite auch erschreckend, wenn ein Hund der in jeder Situation gut kontrollierbar war plötzlich los legt und kaum mehr zu lenken ist. Klar, ich konnte ihm schon sagen, wenn er etwas lassen sollte oder ihn ? mit etwas Nachdruck ? von der Herde wegrufen. Aber ich bin es gar nicht gewöhnt so wenig Einfluss auf meinen Hund zu haben! Aber er war völlig in seinen Job vertieft und konnte seine Schäfchen keine Sekunde aus den Augen lassen. Er hat keinen Fehler gemacht, daher mussten wir auch keine Angst um die Schafe haben, aber er war auch nicht wirklich steuerbar.

Und nu?

Für die Zukunft muss Morty lernen mehr Abstand zu den Schafen zu halten - und natürlich auch bei den Schafen auf Befehle zu reagieren. Aber dafür haben wir ja demnächst den Hüteworkshop?

Ob wir das Hüten jetzt wirklich weiter ausbauen wollen und können - ich weiß es noch nicht. Das Strahlen, das mein Hund im Gesicht hatte, war schon bemerkenswert. Auf der anderen Seite sind da aber noch die Schafe, denen man mit seinem Hobby einiges zumutet ? und eine eigene Herde habe ich und werde ich so schnell sicher nicht haben. Und schließlich war mein Hund bislang auch ohne Schafe nicht gerade unglücklich!

 


Mal schauen, was uns die Zukunft noch so bringt?!? Jetzt freuen wir uns erst einmal auf den Hütworkshop demnächst?
 

 

 

Mit einem der weißen Schafe hatte Morty zu 'kämpfen' - es hat Mortys Autorität immer wieder in Frage gestellt. Daher ist er neben mir
und dem Schaf mit direktem Blick auf das Schaf (Bild 1) und muss es dann bei der Richtungsänderung auch wehement nachtreiben (Bild 2),
damit das Schaf mitläuft. Einige Zeit später kam es erneut zum Konflikt und er hat diesmal mit Nachdruck durchgegriffen: Er hat dem Schaf
in die Hacken gezwickt (Bild 3). Nicht nett, aber erlaubt. 

 

Um das ganze mal Life in Action zu sehen, habe ich hier noch zwei kleine Filmchen - einmal mit 5 Schafen und bei unserer letzten Trainingssequen mit nur noch drei Schafen gearbeitet. Aber es sieht schon richtig gut aus, oder?

P.S. Nach unserem ersten Hütetag ist Morty das selbständige Arbeiten übrigens zu Kopf gestiegen - er ist beim Spaziergang am nächsten Morgen völlig selbstherrlich durch die Gegend gelaufen und war nicht gerade auf mich konzentriert! Alle haben nur gelacht und gesagt: ''Tja, der sucht Schafe!''Aber 2x Hüten und 2x drüber Schlafen macht auch aus Morty wieder einen normalen Hund :) !!!

 



 

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