Hüteworkshop der Beardie Revue
mit Kai Haus am 02. Juli 05

 

 

Auf geht’s zum Hüteworkshop

Endlich war es da, das lang ersehnte Wochenende. Mit einer Freundin zog ich Freitagnachmittag mit dem Auto los Richtung Giesen. Oh ja, Freitagnachmittag, wir hätten uns denken können, dass da  Verkehr ohne Ende sein würde, noch dazu mit Ferienbeginn in ein paar Bundesländern! Gegen 19 Uhr wollten wir eigentlich in unserer Nachtunterkunft angekommen sein, erst um 21.15 Uhr kamen wir endlich an.

Unser Appartement im Haus Nelly war total schön und Hunde waren hier herzlich Willkommen. Den Hunden haben wir dann noch schnell eine kleine Beinevertretrunde gegönnt haben, bevor wir uns mitten in der Nacht noch auf die Suche nach etwas Essbarem gemacht haben. In einer keinen Kneipe haben wir noch einen seltsamen Toast Hawaii und eine glitschige Pizza ergattert, bevor wir dann wenigstens satt und müde um 00.30 Uhr endlich ins Bett gefallen sind.

 

Mit den Hühnern aufstehen…

Am nächsten Morgen wurde ich schon um 5.40 Uhr vom Krähen des Hahns geweckt. Nicky, der Hund meiner Freundin, hat bei diesem seltsamen Geräusch gleich vorsichtig angeschlagen. Als ich ihn überzeugt hatte, dass ich alles im Griff habe, schlief er wieder weiter. Gerade als ich mir das auch überlegte, gackerten die Hühner los – und Nicky blöffte wieder vor sich hin. Um kurz darauf noch einmal das unheimliche Geräusch der Laufenten zu melden, das ihm ebenfalls sehr suspekt war. Damit gab ich auf und ging um kurz nach 6 erst einmal eine Runde mit den Hunden – während Andrea fröhlich noch eine Runde weiterschlief. Anschließend gab es dann noch ein üppiges Frühstück, bevor wir uns auf zum Hüteworkshop machten.

 

Der große Tag: Hüteworkshop für Beardies und Berger

Punkt 9 Uhr trudelten wir am Hof von Kai Haus ein, unserem Hütetrainer, und schon ging es los Richtung Schafweide. Dort angekommen wurden alle Autos verstaut und hektisches Auspacken mit fröhlichem Beardiebellen begann. Als dann alles seinen Platz gefunden hatte, legte Kai mit einer Vorstellungsrunde los. Einige der Hunde hatten schon den Hüteinstinktest gemacht und neben den vielen Beardies waren auch 4 Berger de Pyrenes da.

 

Kai war vor allem das Wohl seiner Schafe sehr wichtig – das ganze Training sollte so erfolgen, dass diesen absolut kein Haar gekrümmt wurde und sie möglichst wenig Stress erleiden mussten. Daher erklärte er uns anschließend auch ein paar Hütegrundlagen. Von „sich den Schafen zum Freund machen“, „Schnitzeln“ (=Schafe) und „Dreieckspositionen“, von „Linksherum und Rechtsherum“ - und vom Befehl „Platz“, der auch gleich zu eifrigen Diskussionen führte.

Das Platz wird beim Hüten als absolutes Maß an Kontrolle und Ruhe benutzt. Aus dem Steh kann sich ein Hund leicht ein Schritt nach vorne schummeln und ist sehr schnell wieder Startbereit – und kann somit auch leicht Fehler machen. Im Platz befindet er sich fest an einer Stelle und übt in dieser Position wenig Bedrohung auf die Schafe aus, die so ebenfalls zur Ruhe kommen können. Bei der Hütearbeit wird das Platz verlangt, um den Hund wieder auf mehr Abstand zu bekommen, oder sich selbst neu zu Positionieren. Und so sollten auch unsere Beardies Platz machen, auch wenn sie im Gegensatz zum Border Collie dies nicht in ihrem natürlichen Hüterepartoire haben.

Gerade die Erklärung mit der Bedrohung für die Schafe und das Fehlervermeiden waren für mich sehr einleuchtende Argumente.

 

     

 

Und ran an die Schafe

Dann ging es los. Anfangs wurde jeder Hund erst einmal an den Schafen getestet. Die Schafe standen innerhalb eines kreisförmig aufgespannten Netzes auf ihrer Weide, der Hund sollte außerhalb dieses Netzes arbeiten. Anfangs lief jeder mit seinem Hund an der Leine um das Netz herum, um für Kai eine erste Einschätzung des Hundes zu ermöglichen. Nach 1-2 Runden ums Netz durfte der Hund in der Regel von der Leine gemacht werden und der Besitzer konnte zu Kai und den Schafen in den Kreis hinein, währen der Hund animiert wurde außerhalb das Netz entlang im Kreis zu laufen. Viele zeigten dieses Verhalten – das zum angeborenen Hüteverhalten gehört – sofort und umkreisten die Schafherde freudig. Manche arbeiteten anfangs einseitig, d.h. sie hatten eine Lieblingsrichtung, in der sie das Netz umkreisten, und mussten ermuntert werden, die Kreise in beide Richtungen zu laufen. Und bei einigen musste man erst mit ‚Schafeschieben’ etwas Motivation schaffen, da sich die Schafe freiwillig ja keinen Millimeter bewegt haben, und für die Hunde eine unbewegliche Herde dann doch keine Motivation darstellte. Immer wieder gab es zwischendurch die Anweisung von Kai, den Hund ins Platz zu schicken. Viele meisterten diese Aufgabe sofort grandios, einige brauchten erste ein paar Übungsplatz, bevor sie verstanden, was man von ihnen erwartete. Und nach jedem Team gab es eine kurze Zusammenfassung, was aus dieser meist 10-15 min Hüteeinheit so alles zu erkennen gewesen war.

Nachdem jedes Team einmal am Netz gearbeitet hatte, gab es eine Mittagspause. Mit Pizzataxi, gemütlichen Unterhaltungen, eifrigen Diskussionen und einer Gassirunde für die Hunde.

 

Nachmittags wurde dann je nach Hund noch einmal am Netz, oder aber auch schon frei, bzw. frei aber mit Schleppleine für den Hund gearbeitet.

Bei den Hunden die noch mal am Netz arbeiteten, sah man in der Regel einen großen Unterschied zum Vormittag. Viele arbeiteten jetzt in beide Richtungen die Kreise frei und folgten problemlos den Platzanweisungen und waren oft wesentlich motivierter als vormittags.

 

Für die Hunde die ohne Netz an die Schafe duften war die Situation natürlich plötzlich total neu. Und meist hatten vor allem die Besitzer unglaubliche Angst um die Schäfchen, hatte uns Kai doch sehr das Wohl seiner Schafe eingebläut… Aber die Hunde meisterten die Lage souverän. Da Kai sehr viel Wert darauf legt, dass die Hunde mit viel Distanz zu den Schafen arbeiten, durften die Hunde nur so lange hinter den Schafen herlaufen, wie sie genug Abstand hielten. Wurde dieser zu gering, musste der Hund Platz machen, während man selber zusammen mit den Schafen weiter gegangen ist. War die Distanz wieder groß genug, bekam der Hund die Erlaubnis langsam nach zu kommen, und bevor er wieder zu nah kam, wurde er wieder ins Platz geschickt, usw. So haben die Hunde teilweise schon nach recht kurzer Zeit ein Gefühl bekommen, auf welcher Distanz zu den Schafen sie arbeiten dürfen und haben die zum Teil selbständig eingehalten. Da sah dann das Schafe hüten ganz einfach aus :).

 

Was Morty von diesem Seminar hielt

 

Mein Hund fand das Spiel mit dem Netz erst einmal sehr uninteressant. Die Schafe waren ja schon auf einem Fleck zusammen getrieben, was sollte also sich bemühen, wenn die Arbeit ja schon getan war? Aber mit ein wenig Schafeschieben konnten wir sein Interesse wecken.

Allerdings war das mit dem Platz so eine Sache. In einem bestimmten Bereich der Runde außerhalb des Netzes hat er meist problemlos darauf reagiert. Nicht aber auf der anderen Seite – und Morty kann sich sehr stur stellen. Er hat weder auf Kai reagiert, der auf Hunde eine sehr starke und souveräne Ausstrahlung hatt, noch auf dessen ‚Meinungsverstärker’ – eine Fahrpeitsche, die er auch mal auf den Boden geklatscht oder durch die Luft hat sausen lassen, um Morty zu beeindrucken (aber beides immer weit weit ab vom Hund, es sollte die Hunde stets nur ein wenig Erschrecken und sie in keinster Weise berühren). Hin und wieder hat sich Morty hingelegt, aber er war nicht so beeindruckt, dass er es zuverlässig angeboten hätte. Als wir halbwegs den Eindruck hatten, dass es etwas flüssiger mit dem Platz klappte, beendete Kai die Einheit.

 



In unserer zweiten Einheit hatte ich die Wahl, ob ich mit Morty mit oder ohne Netz an den Schafen arbeiten wollte. Ich entschied mich für das Netz, auch wenn wir damit ja nicht direkt das Schafe hüten trainieren konnten. Aber mir war das ‚Ausdiskutieren’ von Mortys Platzverweigerung sehr wichtig, schließlich ist der absolute Gehorsam beim hüten besonders auch zum Wohl der Schafe sehr wichtig. Und so übten wir uns noch ein wenig im Platz machen. Mal mit mehr, mal mit weniger Druck, verschiedenen Techniken und viel Ausdauer haben wir Morty versucht zu zeigen, dass Platz ein absolut notwendiger Befehl ist, und er nach dem Ausführen des Befehls stets sofort wieder weiter um das Netz sausen darf – also das Ausführen das Befehls notwendig ist, um weiter arbeiten und Spaß haben zu dürfen.
 
Puh, war ich von meinem Hund beeindruckt. So hatte ich ihn schon sehr lange nicht mehr erlebt und sein Verhalten erinnerte mich an unsere ersten gemeinsamen Monate. Dass er ein wesenstarker Hund ist, der gerne sein eigenes Ding durchzieht, das weiß ich. Wir haben aber mittlerweile eine gute Beziehung und auch erziehungstechnisch zueinender gefunden, so dass Morty meinen doch hohen Ansprüchen stets problemlos gerecht wurde. 

Ich hätte viel erwartet, und dass er den Gehorsam an den Schafen leicht in Frage gestellt hat, hat man ja schon bei unserem ersten Schaferlebnis bei Christine sehen können. Und auch Denise hatte mir erklärt, dass man beim hüten seinen Hund von einer ganz anderen Seite erleben kann und anfangs der alltägliche Grundgehorsam häufig gar nicht mehr klappt. Aber ich hatte dennoch nicht erwartet, dass wir eine Grundsatzdiskussion führen würden, ob ein Platz denn auch ein Platz ist…

 

        


Schafe hüten auf eine feine Art

Aber trotzdem hat das Seminar viel Spaß gemacht und es war sehr interessant auch den anderen Hunden zuschauen zu können. Und ich habe eine Art Schafe zu hüten gesehen, die mir sehr imponiert hat. Dieser Stil Schafe zu hüten, den auch Kai lehrt, ist mit so viel Ruhe und viel Abstand zur Schafherde, so dass es unglaublich harmonisch und leicht aussieht – auch wenn der Weg dorthin harte Arbeit ist!

 


 

 











Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!