Graf Ignatz

Der ägyptische Langohrigel

01.07.2008 - 11.04.2010

        

 

 

Ignatz ist gegangen

Keiner hatte damit gerechnet - es kam plötzlich und unerwartet. Er hat hier ein traumhaft schönes dreiviertel Jahr verbracht, um dann innerhalb 3 Tagen Abschied zu nehmen und in Igelhimmel zu entschwinden. 
Wahrscheinlich hatte er das Wobbly Hedgehog Syndrom, eine unheilbare, genetisch bedingte Nervenkrankheit, die zur Lähmung der Muskulatur und damit zum Tode
führt. Wenigstens musste er nicht lange leiden.

Du wirst mir sehr fehlen, kleines langohriges Stacheltierchen!!!

 

          
Bilder der letzten Zeit - wie man sieht war Ignatz mittlerweile stachelfrech und gar nicht mehr scheu ... es hat so Spaß gemacht ihm zu zusehen!

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Ignatz Geschichte: 


Was ist DAS denn?
War der erste Kommentar, den ich hörte, als ich von dem baldigen neuen Haustier erzählte. DAS ist Graf Ignatz – ein kleines Stacheltier, das eigentlich in Ägypten leben sollte – und einfach überdimensional putzig große Ohren hat. Als ich anfing mich über Igel zu informieren und das erste Bild eines Langohris gesehen habe, war klar: Genau SO EINEN will ich haben. Da hat es sich gerade perfekt ergeben, dass Langohris absolute Einzelgänger sind und nur während der Paarung erfolgreich zusammen gehalten werden können – ansonsten stresst der Igel-Er sein Weibchen so sehr, dass Sie das meist nicht überlebt. Und ein so "kleines" Tierchen hat auf alle Fälle noch Platz in meiner Wohnung.
 

Und wo wohnt DAS?

Also ging die Planung los. Langohrigel brauchen ein Terrarium – und viel Auslauf. Wohin mit dem Terrarium, so dass es sich möglichst schön in die Wohnung integriert? Gemessen, geplant, bestellt – ein Freund hat mir ein grandioses Terra gebaut, das wie ein kleines Schränkchen an meinem Sofa steht. 3 Etagen für viel Bewegung im Terra – und eine "Igelklappe", so dass der Kleine stets aus und ein gehen kann, wie er möchte.

Graf Ignatz hat sein neues Terra schnell angenommen. Die ersten Nächte hat er es noch umdekoriert, bis alles dort stand, wo es ihm gefiel. Die Wurzel weiter links, das Haus weiter rechts, .... So ein Igel will schon mitbestimmen bei seiner Einrichtung! Er flitzt durch alle Etagen, wühlt, scharrt, buddelt – und fühlt sich mittlerweile rundum stachelwohl.

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Der kleine Graf
Meine Arbeitskollegin, die mich mit der Idee angesteckt hatte, ein Stacheltierchen nach Hause zuholen, versorgte mich nach gefasstem Entschluss eifrig mit Anzeigen, wo in der näheren Umgebung ein Langohri abzugeben war. Hui, jetzt wurde es ernst. Und als ich von Graf Ignatz, ehemals Franzl, die ersten Bilder gesehen hatte, war klar: Der wirds. Er hat mich sofort überzeugt... und zog bald darauf ein. Den ersten Tag war er mit Erkunden des Terras beschäftigt, lief neugierig durch die Gegend, wühlte, kruschtelte – und verschwand dann in seinem Häuschen und ward nicht mehr gesehen.

       


Anders als gedacht
Ok, so hatte ich mir das nicht gedacht. Klar, dass Ignatz erst einmal ein wenig schüchtern sein würde. Aber so? Er fand seine Hütte zwar grandios, aber kam erst einmal gar nicht mehr raus – oder knurrte und frauchte, wenn ich in seine Nähe kam. Gut. Also los gings mit der "Gewöhnungsaktion": Essen von der ... naja, fast-Hand. Ab sofort gab es Mehlwürmer und Grillen nur noch von der Futterpinzette von mir. Am ersten Tag musste ich sie ihm fast noch ins Häuschen rein halten, am nächsten kam die Nase schon ein wenig raus ... und so wurde es jeden Tag besser. Bald schon lugte er munter aus seiner Höhle heraus, wenn ich an das Terrarium ging – und schleckte sich über die Nase. So hatte ich mir das schon eher vorgestellt. Binnen zwei Wochen wurde er immer mutiger, fauchte nur noch, wenn er mal wirklich erschrak, und war mittlerweile schon flugs am Futter erjagen, wenn ich es ihm irgndwo im Terra auf seiner Etage ablegte. Immer wieder floh er kurz zu seiner Sicherheit in sein Häuschen, bis das nächste Futterhäppchen kam – war aber doch sofort eifrig wieder unterwegs. Manchmal blieb er jetzt sogar für mehrere Happen draußen, kam sogar bis zum Terra-Rand ... und bekam zusehends mehr Ruhe.

  Lauf, lauf...!
Eigentlich wollte ich warten, bis er sich wirklich eingewöhnt hat – aber als ich ihm eines abends zusehen konnte, wie er durch sein Terra flitzte ... war klar: Der kleine Graf muss laufen dürfen. Es ist unglaublich zu sehen, was für eine Geschwindigkeit diese kleinen Beinchen haben! Nicht umsonst wird er als der Racer unter den Igeln bezeichnet. Also wurde ein kleiner Auslauf um seine Igelklappe herum gebaut – er sollt erst einmal sicher raus und rein gehen können, bevor ihm mehr Raum in der Wohnung für den Auslauf zugestanden wird. Und den Auslauf gönnte er sich. Nachts wachte ich durch ein seltsames Geräusch auf, kratzen, scharren ... und kuckte im Wohnzimmer nach: Ignatz hatte mal schnell seinen Auslauf etwas vergrößert, eine Lücke in meinem Zaun (noch völlig provisorische Bretter) entdeckt und war im ganzen Wohnzimmer unterwegs gewesen – bis ein großer Blumentopf ihm Einhalt gebot. Wie er in diesen rein kam? Keine Ahnung, ich will auch gar nicht wissen, wie der kleine Kletterkünstler einen 30cm hohen, leeren Blumentopf erkommen hat ;-).

Was habe ich gelernt: Lass keine Lücken im Auslauf! Und so hatter er die nächsten Tage sein klitzekleines Auslaufeck – und anscheinend klappte es gut mit dem Raus und rein. Also wurde der Auslauf nun vergrößert – und seither ist Graf Ignatz wirklich angekommen. Von Tag zu Tag wird er selbstsicherer und ruhiger, mittlerweile kann ich ihn sogar mit im Auslauf sitzend füttern und er kommt immer wieder neugierig bis zu meinen Beinen heran und wartet auf den nächsten Futterhappen. Klar wird er immer wieder mal auch von seinen Instinkten heimgesucht und flieht wieder zurück in ein schützendes Eck. Aber das kommt immer seltener vor, meist duckt er sich nur noch kurz, überlegt ... und steht schon wieder parat.
 

Großes Kino
Für meine Miezen ist unser neuer Mittbewohner natürlich eine gefundene Abwechslung. Die ersten Tage kamen sie aus dem Staunen gar nicht mehr heraus! Aber in seinem Terra nimmt Ignatz das ganz relaxt, er weiß, dass ihm hier keine Gefahr droht. Ganz anders, wenn er draußen ist. Hier ist er viel vorsichtiger ... und ich möchte gar nicht wissen, wer wann mit wem schon welche Erfahrungen des nächtens gemacht hat – denn mittlerweile dar Ignatz jede Nacht frei sausen, wie er möchte. Und er genießt es in vollen Zügen, morgens schläft er erschöpft – mittlerweile nicht mal mehr in seinem Terra, sondern meist in seinem Kuschelsäckchen (Dank Tanja von den Allgäu-Hedgies). Allerdings verfrachte ich ihn dann in sein Terra – und mache momentan auch morgens die Igelklappe wieder zu, schlafen und ruhen soll er bitte in seinem Terra, allein schon des "Dreckes" wegen.
 

 


      


Erziehung, Ernährung, Erlebnisse
Kleine Hausigel können richtig stubenrein werden. Nicht nur im Auslauf, sondern auch im Terra. Ignatz hat hierfür einen mit Katzensand gefüllten Behälter – anfangs nur im untersten Stockwert. Bald hat er aber noch eine zweite Ecke im Terra als seine WC-Ecke bestimmt, so dass er hier auch noch eine Sandschüssel bekommen hat. Diese dient übrigens auch zum darin schubbern und gerne auch mal Schlafen, daher ist es wichtig, dass sie täglich gereinigt wird! Damit ist er jetzt super zufrieden. Klar, hin und wieder verliert er in der Aufregung oder direkt nach dem Essen auch mal ein "Köttelchen" woanders im Terra. Aber prinzipiell landet sonst alles in seiner Sandschüssel. Anfangs hat es auch super im Auslauf geklappt. Bis dieser ein wenig zu groß war, da passierte dann öfter mal ein "Maleur". Vorerst bleibt daher der Auslauf in der jetztigen Größe, bis er auch hier wieder zuverlässig Stubenrein ist, erst dann werde ich ihm wieder mehr Fläche zugestehen. Ich merke allerdings, dass ich den Auslauf ziemlich sauber halten muss (rausgefallenes Streu entfernen, Auslauf wischen). Wenn er zu sehr nach "Zuhause" riecht, passiern leichter Unfälle, als wenn der Auslauf sauber ist. Aber das lässt sich ja leicht einhalten. Mal kucken, wie groß sei Auslauf später mal werden darf – ich hoffe ja quer durch das ganze Wohnzimmer oder die ganze Wohnung sogar, er soll so artgerecht wie möglich gehalten werden. Und wer den kleinen Fratz mal hat lossausen sehen, dem ist schnell klar, dass ein Leben nur in einem kleinen Terrarium nicht besonders lebensnah ist..

     


Zu Essen bekommt der kleine Graf fast nur noch "frisch": Grillen, Heuschrecken, Heimchen, Mehlwürmer, Zophobas und Schaben. Er ist völlig begeistert von dieser Ernährung. Aber er isst auch gerne mal ein Happen Puten- oder Hühnchenfleisch und sogar eine Krabbe hat er schon verspeist. Besonders liebt er auch Katzentrockenfutter – da mümmelt dieser kleine Fratz Unmengen von weg, wenn er kann. Katzendosenfutter findet er gruselig. Obwohl er das in seinem früheren Zuhause fast ausschließlich bekommen hat, lässt er es jetzt konsequent stehen.
Anfangs hatte ich ein wenig Probleme bei der Vorstellung, dass all dies Gehüpfe und Gekrabble bei uns leben muss – aber es stellt sich als einfacher heraus, als ich dachte. Es macht Spaß die Futtertiere gesund mit Getreide, Gemüse und all den Dingen, die sie gerne auf dem Speiseplan stehen haben, zu ernähren, mit dem Wissen, dass der kleine Graf dadurch gesundes, nährstoffreiches Futter bekommt. Und da er ein hervoragender Jäger ist, sind die Tiere schneller tot, als sie kucken können – so finde ich auch an der Lebendfütterung nichts mehr erschreckendes. Ganz im Gegenteil: Ich beobachte so gerne, wie er seine Instinkte nutzt ... lauscht, ortet, wo das Essen gerade ist, zielstrebig dorthin saust, schnuppert – und schnap, schon ist es weg. Und nachdem ich auch immer geschickter werde im Grillenfangen und Co, ist auch diese Prozedur für die Tiere recht kurz. Und auch die Futtertiere beim Essen, ihrem Wachstum und ihrer Entwicklung z.B. bei den Mehlwürmern von der Made zum Käfer zu beobachten, das nimmt viel von dem Unheimlichen, was die Tiere in meiner Vorstellung hatten.

 

In der Natur würde selten das Futter am selben Fleck stets zur selben Zeit ruhig auf seinen Fressfeind warten. So gibt es bei uns auch immer was anders und immer wo anders. Nur der Wassernapf hat seinen festen Standplatz. Lebendfutter gibt es meist von der Futterzange – oder "frei laufend", gerade bei Zophobas (regenwurmgroße Mehlwurmart) ist das sehr spannend: Sie vergraben sich sofort im Untergrund, d.h. Buddelaufgabe für Ignatz. Und bislang hat er noch jeden Wurm erwischt! Nur wenn ich mal keine Zeit habe zum selber füttern, dann gibt es das Futter in einer Schale, die dann aber immer wo anders steht. Trockenfutter kann man gut im Terra verstreuen, vielleicht sogar etwas in das Einstreu einwühlen. Daher habe ich im "Erdgeschoss" auch einen Waldboden, so muss Ignatz nicht so viel Holzspäne mitfressen beim herauswühlen der Futterbrokken.

Oft gibt es auch richtige Aufgaben, um an das Futter heran zu kommen. Eine leere Küchenrolle entzwei geschnitten und dort ein paar Trockenfutterhappen hineingelegt – Ignatz schiebt und zieht die halbe Nacht, bis die Leckerli weit genug am Rand rutschen, so das er sie mit seiner langen Nase auch erwischt (anfangs hatte ich die Rollenstücke zu lange gewählt, da blieb bis zum morgen noch recht viel Futter in der Rolle – also einfach mal ausprobieren, was die richtige Länge ist, so dass am Morgen nur noch kleine Reste bleiben). Ganz spannend auch der Futterball, ein Hundespielzeug in Mini-Welpengröße. Ignatz rollt eifrig den Ball herum, die Leckerli fallen nach und nach raus. Wenn er richtig Hunger hat, dann schafft er in einer Nacht locker den ganzen Ball ratzfatz leer. Die nächsten Herausforderungen warten schon: Der ovale Futterball – mal kucken, ob er diesen auch zu lösen weiß?


Spannende Zukunft
Der kleine Graf stellt mir ganz neue Aufgaben. Schließlich habe ich mich vorher sicher nicht mit der gesunden Ernährung von Igeln und Futtertieren beschäftigt, geschweigedenn darüber nach gedacht, wie man einen kleinen Igel denn noch beschäftigen kann... Aber man wächst an seinen Herausforderungen, oder? Ich werde weiter berichten, was uns noch so einfällt – ihm oder mir :-). Auf alle Fälle macht es ziemlich Spaß mit unserem neuen Mitbewohner, wenn es auch zeitintensiver ist, als ich dachte. Aber es ist eine fantastische Zeit die wir da verbringen, wenn man tagtäglich beobachten kann, wie glücklich, ausgelassen und einfach zufrieden der kleine Graf ist - wenn man seine ersten Fotos mit denen von heute vergleicht, sieht man ihn jetzt nur noch grinsen!

Eine Aufgabe hat er schon gelernt. Er hat sich "Autofahren" erclickert.
Aber seht selbst...

 

Eingelebt - und doch kein ideales Haustier

Mittlerweile kann ich sagen, dass er zwar ein spannender Hausgenosse ist, und ich alles sehr gerne für ihn mache - aber Igel sind einfach keine Haustiere! Natürlich hat er bei mir ein Leben, was dem in Natur noch recht nahe kommt - mit mehr als genug Auslauf (ihm gehört mittlerweile das ganze Wohnzimmer), gesunder Ernährung, Futtersuchspielen und auch sonst viel Beschäftigung. Aber wer ermöglicht denn seinem Igel so ein Leben? Einmal am Tag ne Stunde rumdüsen dürfen, und sonst als Alternative das Laufrad - nein, das wird diesen Tierchen nicht gerecht. Und wenn man ihn das Leben ermöglicht, dass der kleine Graf hat, dann sollte man nicht vergessen, dass Staubsauger und Putzlumpen ab dann zum besten Freund werden - denn Dreckspatzen sind sie auf alle Fälle, die Stacheltierchen! Ich will damit nur sagen, dass man sich die Anschaffung vorher mehr als genau überlegen und abwägen sollte, ob man wirklich ein halbwegs gerechtes Leben bieten kann. Nicht zuletzt sind Langohren immer noch zumeist Wildfänge - und nur damit WIR unseren Spaß haben, braucht man sie nicht aus ihrem normalen Lebensraum herausreißen.

Kleinohriger Bruder
Das hier ist "Boomer", der kleine neue Hausbewohner meiner Arbeitskollegin. Der Verwandte von Graf Ignatz – der afrikanische Weißbauchigel – unterscheidet sich nicht nur durch diese putzig kleinen Ohren, sondern auch durch eine wesentlich bessere Sozialverträglichkeit gegenüber Artgenossen. Und: Es gibt ziemlich viele Farbschläge davon. Wenn man jetzt den "Dunklen mit den langen Ohren" gewöhnt ist, sieht der Kleine richtig "anders" aus: puschelig, plüschig, kleinohrig und einfach knuffig ;). Klein übrigens nur im Kosenamen-Sinne, denn von der Körpergröße sind sich beide ziemlich ähnlich.
Übrigens werden Weißbauchigel mittlerweile hier gezüchtet - damit meine ich nicht, dass sie die besseren Haustiere sind, aber zumindest sind sie langsam wesentlich domestizierter und sind vom Wesen und Bewegungsdrang ein wenig ruhiger, als Langohren. Wenn es also denn wirklich unbedingt ein Igel als Haustier sein muss, findet sich hier bei einem Züchter vielleicht eher der rechte Stachelpartner!

 

 

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